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Vermögensverwaltung von Stiftungen
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Ratgeber

Vermögensverwaltung von Stiftungen oder: Der Sinn und Unsinn von Investmentfonds

Ein Schlaglicht von Klaus Stüllenberg, geschäftsführender Vorstandsvorsitzender der Stüllenberg Stiftung für Kriminalprävention, Münster

Text: Tobias Karow, Lesezeit: 5min51, Bilder: www.fondsfibel.de

Vermögensverwaltung von Stiftungen

Eine Vorbemerkung sei mir erlaubt. Die für die Vermögensverwaltung in gemeinnützigen Stiftungen Verantwortlichen haben die Aufgabe, das Stiftungskapital zu erhalten und Erträge zu erwirtschaften, um damit Stiftungszwecke zu erfüllen – soweit die gesetzlichen Vorgaben. Und dann geben Satzungen oder deren Anhänge häufig Hinweise, wie diese Ziele erreicht werden sollen/dürfen, meist keine Reglementierung zum Thema Investmentfonds – damit sind sie also grundsätzlich zulässig, aber auch sinnvoll?

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Das Dilemma

Das einfache Prinzip, „hoher Ertrag-hohes Risiko“ mag für die Finanzmärkten zwar prinzipiell gelten, aber auch geringes Risiko kann vorübergehende oder dauerhafte Kapitalverluste und/oder negative (Zins-) Erträge bescheren. Und die überstrapazierte 30/70 (Aktien/Anleihen) Regel ist etwa so wenig zeitgemäß wie das Abkochen von Leitungswasser vor seiner Nutzung. Dieses Narrativ verkennt, dass es die unterschiedlichsten Aktien begebenden Unternehmen wie auch Anleihen emittierenden Organisationen gibt und damit höchst unterschiedliche Risiken für Kapital und/oder Ertrag bestehen.

Mein Lösungsansatz: Ich beschäftige 20 Vermögensverwalter!

Es gilt folglich, diese Unterschiede wissensbasiert aufzubereiten und dann für eine oder mehrere Aktien oder Anleihen zu entscheiden. Berücksichtigt man das weltweite Universum an derlei Anlagemöglichkeiten (von z.B. Rohstoff-, private equity-, Termin-, Derivate- und anderen Märkten mal ganz abgesehen), ist die Fähigkeit der Stiftungsvermögen Verwaltenden -vorsichtig ausgedrückt- eher begrenzt.

Und bis der ehrenamtliche Stiftungsvorstand vom bevorstehenden Niedergang eines börsennotierten Unternehmens oder der Illiquidität eines Anleiheemittenten erfährt und reagieren kann, dürfte es wohl auch zu spät für Kapitalerhalt und Zins- oder Dividendenzahlungen sein.

Also brauchen Stiftsverantwortliche solche schlauen Köpfe, welche mit ihrer wissens- und erfahrungsbasierten Expertise die richtigen Entscheidungen für die wirtschaftlichen Stiftungsziele bzw. Vorgaben (s.o.) treffen. Das kann z.B. der freie und/oder Bank gebundene Vermögensverwalter sein.

Ich habe für die von mir geführte Stiftung in rund 20 Investmentfonds investiert. Und jeder dieser Fonds wird von Experten bewirtschaftet, welche die im Prospekt beschriebenen Anlage- und angestrebten Erfolgsstrategien umsetzt. Ich leiste mir also den Luxus von 20 unabhängigen Vermögensverwaltern mit unterschiedlichstem Schwerpunktwissen und entsprechenden Anlagestilen und -horizonten!

SOS Kinderdörfer

Welcher darfs denn sein I?
Ohne Ausschüttung geht gar nichts!

Ich orientiere mich an den Zielen (s.o.), nicht ausschüttende Fondsanteilsklassen sind demnach kein Investment für mich und solche, die keine Ausschüttungsreserven anlegen/angelegt haben oder gar aus der Substanz ausschütten würden – auch nicht! Und sonst? Multi oder single Asset, defensiv, balanced oder offensiv, Growth oder Value, Europa, USA, Welt oder China, Branchen oder Märkte, Markttiming oder relative Stärke, Exposure Reduzierung oder Derivateinsatz zur Verlustbegrenzung – das sollen meine 20 Vermögensverwalter in ihren Kernkompetenzbereichen entscheiden. Immerhin bezahle ich sie mit den laufenden Fondsgebühren (Ø >1,5 % p.a.) besser als nur wenige niedergelassene Vermögensverwalter sich je trauen würden, als Fee aufzurufen. Ich gebe mein Ausschüttungsziel vor, derzeit sind das >= 2,5 %. Und sie beurteilen, ob das mit ihrer Strategie möglich ist. Ich beurteile, ob ich ihnen das glauben kann (fundierte, strategiebezogene Argumentation und Plausibilität vs. Verkaufsgelaber – oder deutlicher: Fondsmanager vs. chief super director of sales oder sowas wie: senior institutional client manager europe/asia).

Welcher darfs denn sein II?
Kapitalerhalt – drawdown und recovering time!

Die Stiftung ist auf ewig eingerichtet, darum macht es wenig Sinn, einen möglichen drawdown von Investments z.B. auf Jahressicht vermeiden zu wollen. Ein Konjunktur- oder Börsenzyklus ist da schon sachgerechter, als fortlaufender benchmark eignet sich für mich z.B. der MSCI World oder FTSE All World Index. Mein Ziel ist, die drawdowns meiner Investments auf etwa 1/3 des benchmarks zu begrenzen, bin dafür bereit, am Aufholen des benchmarks mit nur 2/3 beteiligt zu sein. In 2020 habe ich genau das mit dem Stiftungsvermögen erreicht.

Welcher darfs denn sein III?
Miss es oder vergiss es!

„Meine 20 Vermögensverwalter“ liefern mal besser als der benchmark, mal schlechter – aber immer will ich die Gründe für die jeweilige Entwicklung kennen und verstehen. Gelingt das nicht, gibt’s nach der gelben die rote Karte.

Janssen Stiftung

Welcher darfs denn sein IV?
Ein Stiftungsfonds, ein Stiftungsfonds – oder besser auch nicht?

Die Erfahrung lehrt, dass nicht das Etikett, sondern die Eignung von Anlagestrategie und Kompetenz des Fondsmanagements zum Erreichen der Stiftungsziele die Erfolgsgaranten sind – könnte aus der deutschen Fondslandschaft interessante Beispiele für missglückte sog. „Stiftungsfonds“ benennen, reicht aber, dass ich den Verantwortlichen das selbst sehr deutlich gesagt habe. Es geht also nicht um Stiftungsfonds, sondern um für Ihre Stiftungsziele geeignete Investmentfonds! Zu diesen Fonds wiederum brauchen sie Informationsquellen, die fortlaufend helfen, eigene Entscheidungen zu erleichtern, abzusichern und nachvollziehbar zu gestalten. Und für die Rechenfüchse unter Ihnen noch ein Aspekt: Ein Dachfonds, dessen (auch in der Vergangenheit unter Beweis gestellte) Strategie Ihren Stiftungszielen entspricht, hat noch einen Vermögensverwalter mehr, nämlich den Dachfondsmanager selbst.

Zusammengefasst

Am Ende heißt es zurück zum Anfang. Der Vermögensverwalter einer gemeinnützigen Stiftung hat seine von den Vorgaben abgeleiteten Finanzziele zu erfüllen und kann dies in aller Regel nicht ohne Hilfe von Experten. Für Ihre Stiftungsziele geeignete (Dach-) Fondsmanager können Ihre Berater sein, gönnen Sie sich ein paar unterschiedliche von denen. Die guten lassen sich gern fordern und messen, die weniger guten erkennen Sie mitunter schon am Verkaufsjargon, sicher aber am Erfolg. Messen, vergleichen und bewerten Sie! Das ist Ihr Job in der Vermögensverwaltung einer Stiftung.

Hinweis

Klaus Stüllenberg war auch einer der Diskutanten beim ersten Virtuellen Tag für das Stiftungsvermögen am 24.5.2020, das Video mit seiner Diskussion finden Sie in der VTFDS-Mediathek unter www.vtfds2020.de.

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