Ratgeber - Stiftungsportfolio von Z bis A

Ratgeber

Von Z bis A

Warum das Zusammenstellen des Fondsportfolios einer Stiftung beim Z beginnt

Text: Jörg Müller (Advice & Opinion, joerg.mueller@advice-opinion.de), Lesezeit: 5min56, Bilder: www.fondsfibel.de, FondsFibel 2021

Ratgeber - Stiftungsportfolio von Z bis A

Beim Skifahren heißt es immer, es kommt auf die Technik an, auf den Hang, auf das Besichtigen, auf die Form, auf den Kopf. Wer als Skirennfahrer vorne sein will, bei dem muss alles zusammenpassen, bei dem muss der Kopf frisch sein, fokussiert dazu, die Muskeln müssen optimal arbeiten können und der Skischuh-Bindung-Ski-Komplex muss perfekt abgestimmt sein. Ganz ähnlich verhält es sich bei einem Stiftungsportfolio, da muss künftig Einiges zusammenpassen, damit die stiftungsindividuellen Ziele noch erreicht werden. Eine Checkliste rund um Ausschüttungsziel, Anlagerichtlinie und Portfoliostruktur kann hier ein Anfang sein.

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Baustein I: Das stiftungsindividuelle Ziel

Es ist sicherlich keine Neuigkeit, aber das Ergebnis der Veranlagung eines Stiftungsvermögens muss es sein, dass ordentliche Erträge in ausreichendem Maße fließen. Ausreichend wird im Fachjargon auch mit auskömmlich übersetzt und bedeutet letztlich nichts anderes, als das die Kapitalanforderungen einer Stiftung sämtlich gedeckt werden können. Entsprechend muss eine Stiftung ihre Erfordernisse hinsichtlich ihrer Liquidität kennen, um daraus ableiten zu können, welches Fondsportfolio auf diese Anforderung passt. Es macht aus Stiftungssicht also keinen Sinn, sich mit Fonds oder Anlagen auseinanderzusetzen, ohne das Ziel für diese Mühe zu kennen. Stiftungen sollten formulieren, welche Rendite sie brauchen, seien es 2, 3 oder 4% p.a., danach wird in die Portfoliogenese gegangen.

PRAXISTIPP
 Formulieren Sie ihre Kapitalanforderung inklusive Rücklagen in Euro (so lapidar das klingt), schlagen Sie 10% obendrauf und rechnen Sie dies in Prozent auf das Stiftungsvermögen um.

Baustein II: Die Fondsanlage in der Anlagerichtlinie

Die Anlage des Stiftungsvermögens in Fonds ist aus vielen Gründen heraus die beste aller Alternativen. Buchhalterisch einfacher, dem Diversifikationsgebot folgend und als Baustein auf das Haftungsmanagement einzahlend ist ein Portfolio aus Stiftungsfonds und stiftungsgeeigneten Fonds für Stiftungen einfach vorteilhaft. Diese Gründe in einem Begleitpapier zur Anlagerichtlinie festzuhalten ist ein Hinweis für die Stiftungspraxis, der andere ist natürlich das Einfügen der Fondsanlage in die Anlagerichtlinie. Dort sollte festgehalten werden, dass das Stiftungsvermögen über Fonds angelegt werden kann und diese nach bestimmten Kriterien ausgewählt werden. Die Ausschüttung ist sicherlich das Gewichtigste, aber auch Leistungsdaten, ESG und Comittment der Anbieter gegenüber Stiftungen in Form von Ansprechpartnern gehören dazu.

PRAXISTIPP
Formulieren Sie in die Anlagerichtlinie, dass sie ein Fondsportfolio zusammenstellen, dass hier verschiedene Konzepte zur bessere Diversifikation, zur besseren Streuung über Anlagestile hinweg und zum Reduzieren der Korrelationen zwischen den Fonds kombiniert werden sollen, deren ordentliche Erträge in Summe das stiftungsindividuelle Ziel bei den ordentlichen Erträgen zu erreichen helfen. Als Stiftung machen sie sich darüber frei davon, nur Fonds auszuwählen, die jeder für sich Ihr Ertragsziel erreichen.

Cartoon - Indiana-Fonds Fondsportfolio

Baustein III: Die Infrastruktur

Auch wenn es lästig ist, aber in Zeiten niedrigster Zinsen müssen Stiftungen ihre Infrastruktur prüfen, hinterfragen und ggf. neu zusammenstückeln. Es macht keinen Sinn, ein tolles Fondsportfolio zusammenzustellen, wenn alle diese Fonds nur mit Ausgabeaufschlag gekauft werden können und wenn institutionelle Tranchen mangels Größe des einzelnen Investments verwehrt bleiben.

PRAXISTIPP
Wählen Sie für die Fondsanlage ihrer Stiftung entweder eine fondsspezifische Depotbank aus oder verhandeln Sie mit ihrer Hausbank zumindest die Ausgabeaufschläge weg (mit der Argumentation, dass ohne Vertriebsleistung keine Vergütung in Form des Ausgabeaufschlags erfolgen kann.

Baustein IV: Die Fondsliste

Stimmen die Ausgangsbedingungen kann es an die Genese der Fondskonzepte gehen. Suchen Sie sich in einem ersten Schritt Fondslisten mit Stiftungsfonds oder stiftungsgeeigneten Fonds und eruieren Sie vor allem die historischen Ausschüttungen. Präferieren Sie entsprechend die Fondslisten, die Ihnen diese Angaben liefern. Dazu gehören Angaben und Interpretationen in Phasen wie dem Corona-Crash im März 2020, zu den Kosten und auch zu Themen wie Anlegerschaft und ESG. Stiftungen mit einem Stiftungsvermögen von 100.000 EUR bis 2,5 Mio. EUR kommen mit einer Long-List von maximal 10 Fonds aus, bei Stiftungsvermögen bis 25 Mio. EUR sollten es deren 15 bis 20 sein.

PRAXISTIPP
Legen Sie ihren Fokus nicht nur auf Stiftungsfonds, sondern gehen Sie von der Seite heran, sich einen Pool von verschiedenen Ausschüttungen (also Höhe und Termin) zusammenzustellen. Kennen Sie die Ausschüttungshöhen und Termine lässt sich dazu das Konzept darauf hin abgleichen, ob es zu den Anforderungen der Stiftung passt.

Janssen Stiftung

Baustein V: Die Kontaktaufnahme

Gehen Sie auf die Anbieter derjenigen Fonds zu, die auf ihrer Longlist gelandet sind. Erfragen Sie die Details zur Ausschüttungsreserve, fragen Sie nach Stresstests, lassen sie sich das Konzept so kompakt wie möglich erklären, um es ggf. intern in Ihren Stiftungsgremien vermitteln zu können. Lassen Sie sich zudem das Doing im Fonds etwa im Corona-Crash erläutern: Wurde reagiert, also die Märkte crashten? Wenn ja, was wurde gemacht? Wichtig ist auch zu eruieren, ob Sie für Ihre Stiftung institutionelle Tranchen des Fonds erwerben können. Fondsanbieter, deren Mitarbeiter Sie nicht erreichen bzw. die Sie auf Ihre Bitte hin nicht zurückrufen, können Sie in ihrer Liste durchaus nach hinten reichen.

PRAXISTIPP
Bereiten Sie Ihre Fragen an die Fondsanbieter einmal vor und stellen Sie allen die gleichen Fragen. Ausgehend von den Antworten können Sie die Leistungsmerkmale der Fonds vergleichen und mit ihren stiftungsindividuellen Zielen abgleichen.

Baustein VI: Der Fondskauf und das Evaluieren

Beim Zusammenstellen des Fondsportfolios für Ihre Stiftungsvermögen sollten Sie eine übergeordnete Asset Allocation (also Aktien, Anleihen, Immobilien, Mikrofinanz) im Kopf haben und dann auch Konzepte hinzuzufügen, die nur gering oder gar nicht mit Stiftungsfonds oder Income-Fonds korreliert sind. Eine Anleihequote kann zudem indirekt über den Anleiheanteil in einem klassischen Stiftungsfonds und über einen reinen Rentenfonds abgebildet werden. Income-Fonds können dazu die Funktion klassischer Stiftungsfonds übernehmen, und ausschüttungsstarke Aktienfonds taugen als Baustein für die Aktienquote, in Ergänzung zu einem sehr vorsichtig agierenden Stiftungs- oder Mischfonds mit einer extrem niedrigen Aktienquote.

PRAXISTIPP
Machen Sie sich direkt Gedanken dazu, anhand welcher Kriterien Sie Ihr Fondsportfolio evaluieren und wie oft im Jahr das geschehen soll. Natürlich spielt die Wertentwicklung eine Rolle, für Sie dürfte aber eher die Ausschüttungsübersicht sowie der Ausschüttungsausblick von Belang sein. Ein Berater kann Ihnen diese Informationen beschaffen und interpretieren, das Hinzuziehen eines externen Beraters auf Honorarbasis kann insofern als Baustein im Haftungsmanagement etabliert werden.

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Zusammengefasst

Das Komponieren eines Fondsportfolios für eine Stiftung folgt eigenen Prämissen. Und obwohl ich kein passionierter Skifahrer bin, kann ich der Parallele zwischen einem Slalom im Skiweltcup und dem Zusammenbauen eines Stiftungsportfolios etwas abgewinnen. Denn einfach nur einen Berg runterzufahren, ob Form, ohne Technik, ohne passendes Setup, ohne frischen Kopf, ist in etwa so wenig sinnvoll wie das Zusammenstellen eines Stiftungsportfolios rein mit Stiftungsfonds. Das sieht vielleicht gut aus, reicht aber künftig nicht mehr aus, um die stiftungsindividuellen Ziele zu erreichen. Und noch eine Parallele gibt es zum Skizirkus: Dieser entwickelt sich rasant weiter, wer vor fünf Jahren noch schnell war, ist es heute vielleicht nicht mehr. Entsprechend muss auch ein Portfolio mit stiftungsgeeigneten Fonds permanent weiterentwickelt werden. Nur ein paar Fonds zusammenstellen, damit ist die Aufgabe aus Stiftungssicht nicht gelöst. Wie beim Skiweltcup. Einfach ankommen, darum geht es eben genau nicht.

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Jörg Müller

Jörg Müller, Stiftungsberater zur Fondsanlage von Stiftungen,
Geschäftsführer advice & opinion Asset Management in Krefeld:

 „Die Anlage des Stiftungsvermögens in Fonds ist aus vielen Gründen heraus die beste aller Alternativen.“