Den Rotstift richtig ansetzen und Fondskosten sparen

Ratgeber

Den Rotstift richtig ansetzen und Fondskosten sparen

Wo Stiftungen bei Stiftungsfonds & Co. an welcher Kostenschraube drehen können – und müssen

Text: Frank Wettlauffer, Lesezeit: 5min56, Bilder: www.fondsfibel.de, FondsFibel 2021

Den Rotstift richtig ansetzen und Fondskosten sparen

Wenn Stiftungen bei der Fondsanlage Kosten sparen wollen, stehen sie vor zwei Fragen:

1. Welche Ausgaben lassen sich einsparen, weil man die Dienstleistung vielleicht selbst übernehmen kann, weil sie an anderer Stelle preiswerter erhältlich ist, oder weil man auf die Leistung sogar vollkommen verzichten kann?

2. Wie kann ich die Leistung bzw. die Fonds besonders günstig erwerben und welche Verhandlungstaktiken gegenüber meiner Bank sind empfehlenswert? Der ersten Frage: „Kosten senken – aber welche?“ geht dieser Beitrag nach, die Frage „Kosten senken – aber wie?“ wird in einem folgenden Beitrag behandelt.

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Kosten senken – aber welche?

Neben der Vermögensstruktur haben Kosten den wichtigsten Einfluss auf den Ertrag. Im Gegensatz zu den häufig unsicheren Erträgen der Vermögensanlagen sind Kosten sicher und reduzieren die Leistungsfähigkeit der Stiftung direkt. Ein guter Grund für jeden Verantwortlichen, den Kosten hohe Aufmerksamkeit zu schenken – nicht zuletzt, um dem Sparsamkeitsgebot des Stiftungsrechts zu entsprechen. Aber wie so häufig ist Kostensparen leichter gesagt als getan. Denn den Kosten stehen ja auch Leistungen gegenüber. Einfach nur dem eigenen (Bank)Partner durch harte Verhandlungen den Ertrag reduzieren ist nicht die feine Art.

Besser gleich bei der Wahl des Partners auf die Kosten achten. Und vor allem nur Dienstleistungen in Anspruch nehmen, die notwendig sind und solche Produkte kaufen, die ein gutes Preis-Leistungsverhältnis aufweisen. Doch wie soll man als Laie beurteilen können was wichtig ist und welche Produkte ein faires Preis-Leistungs-Verhältnis aufweisen? Dazu die Wertschöpfungselemente einer Fondsanlage einmal näher anzuschauen und zu kategorisieren ist auf jeden Fall zielführend, weil auf diese Weise die Stellschrauben aus Stiftungssicht relativ schnell deutlich werden.

SOS Kinderdörfer

Kategorie 1: die Austauschbaren

Zur Kategorie der Austauschbaren gehört die Depotführung, der Kauf und Verkauf von Wertpapieren bzw. das hiermit häufig immer noch verbundene Ausgabeaufgeld (=Ausgabeaufschlag) und das Reporting bzw. die Vermögensübersicht. Diese Dienstleistungen erfolgen im Verborgenen, müssen nur funktionieren und sind damit austauschbar. Der Preis kann als alleiniges Entscheidungskriterium dienen. Offensichtlich kann man hier durch Digitalisierung viel selbst machen und die hohen Kosten von Filialbanken sparen. Aber auch derjenige, der den Full Service einer Filialbank in Anspruch nimmt kann bei der Wahl allein auf den Preis schauen ohne Qualitätseinbußen zu befürchten. Bei den Austauschbaren gilt das Motto: Geiz ist geil.

Kategorie 2: die Wertschaffenden

Anders ist es bei der Vermögensberatung und der Betreuung. Beide können einen hohen Mehrwert liefern. Man denke nur an den Mehrertrag, den eine auf die individuellen Bedürfnisse der Stiftung abgestellte Zusammenstellung von verschiedenen Vermögensklassen im Vergleich zu einem Festgeldkonto bringt. Das sind schnell jährlich 2-3% des Vermögens. Oder den Wert des verhinderten Verlusts, weil von der Anlage in einer „attraktiv“ rentierenden Argentinischen Staatsanleihe gewarnt wurde. Gleiches gilt für die Betreuung. Studien zeigen, dass unerfahrene Selbstentscheider bei Kapitalmarktturbulenzen häufig im falschen Moment verkaufen und damit Renditeeinbußen zwischen 3 und 4% haben. Der Wert der Vermögenszusammenstellung und des Händchenhaltens kann also sehr hoch sein und unerfahrene Stiftungen sollten bereit sein, dafür zu zahlen. Nach dem Motto: guter Rat ist teuer, aber gar keiner ist sehr teuer.

Kategorie 3: die zu Vermeidenden

Es gibt Dienstleistungen die man besser gar nicht in Anspruch nehmen soll, weil sie gefährlich für das Vermögen sein können. Dies sind solche Produkte, bei denen die Gefahr besteht, dass der Verkäufer seinen Informationsvorsprung zu Ihren Lasten ausnutzt. Da die Kosten häufig versteckt sind haben Sie als Laie kaum Chance, diese zu sehen. Besser ist es, solche Situationen zu vermeiden. Zu diesen Dienstleistungen gehören grundsätzlich alle Produkte, bei denen der Verkäufer mehr weiß als Sie oder Ihr Berater. Das sind vor allem – nicht börsennotierte – und damit unregulierte Produkte wie strukturierte Anlagen, geschlossene Fonds etc.

Falls Stiftungen doch so ein Produkt kaufen möchten, machen Sie dies nur gemeinsam mit professionellen Co-Investoren, um deren Informationsvorsprung zu nutzen. (siehe auch Artikel: Vorsicht Zitronen – wie Stiftungen vermeiden, dass Anlagen sauer aufstoßen.) Besser ist es, in regulierte (Stiftungs-)Fonds zu investieren, die wiederum in börsennotierte Wertpapiere anlegen. Die Börsennotierung verspricht einen fairen, transparenten Preis. Das Motto für alles andere lautet: Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste oder auch: „if in doubt – stay out“.

Kategorie 4: die Überlegenswerten

Zum Schluss stellt sich die Frage, nach den Dienstleistungen, bei denen man abwägen muss, da es keine klare Antwort gibt, ob man sie braucht oder nicht.  Zu diesen gehört vor allem die sogenannte „aktiven“ Vermögensverwaltung bzw. aktiv gemanagte Fonds. Aktive Manager versprechen durch aktives Handeln eine höhere Rendite als passive Manager, die z.B. durch sogenannte ETFs nur passiv Indizes wie den DAX oder den amerikanischen S&P 500 abbilden.

Ohne auf den Disput näher einzugehen, lassen sich folgende – für Stiftungen relevante Erkenntnisse – konstatieren: Ob aktiv oder passiv ist nicht entscheiden wichtig ist das Ergebnis fast aller Untersuchungen. Demnach ist die Performanceerwartung eines Produkts umso höher, je geringer die Kostenbelastung ist. Wichtig ist auch, dass ETFs für sehr viele Stiftungen ungeeignet sind, da sie nicht auf die Bedürfnisse von Stiftungen ausgerichtet sind. (Vgl. Artikel: Vorsicht ETFs – Warum für viele Stiftungen Fonds die bessere Anlage darstellen). Ein preiswerter Stiftungsfonds ist daher empfehlenswert. Bei der Beurteilung der Preiswürdigkeit sollte auch berücksichtigt werden, welche Zusatzleistungen zusätzlich zum Fondsmanagement noch aus der Verwaltungsgebühr bezahlt werden. Wertvolle Beratung und Betreuung gehören dazu, genauso wie häufig die Depotverwahrung und sonstige Zusatzleistungen. Letztendlich gilt aber bei der Überlegung bezüglich des aktiven Managements das sehr erfreuliche Motto: Das billigste muss nicht das schlechteste sein.

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Zusammengefasst

Bei der Anlage des Stiftungsvermögens gibt es viele Stellschrauben, um Kosten zu reduzieren. Manche erfordern Eigeninitiative, andere „nur“ die Auseinandersetzung mit der Credibilität und Attraktivität des Leistungsversprechens. Bei allem gilt es, die Erkenntnis von dem berühmten Investor Warren Buffett im Hinterkopf zu haben: „Performance kommt, Performance geht. Gebühren schwanken nie.“

P.S.: Lesen auch den oben angekündigten Artikel von Frank Wettlauffer zur Frage: Kosten senken, aber wie? auf #stiftungenstärken.