FondsFibel 2021
Smart & Fair-Fonds
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Neu im Stiftungsfonds-Kosmos

Smart & Fair-Fonds

Geringe Kosten begünstigen Ertrag

Text: Stefan Preuß, Lesezeit: 7min45

Smart & Fair-Fonds

Der Fonds wurde 2018 nach Initiative aus dem kirchlichen und gemeinnützigen Bereich aufgelegt. Im Fokus des klassischen 30%-Aktien und 70% Anleihen-Fonds steht möglichst geringes Risiko, gleichzeitig soll aber dank sehr geringer Kosten in Höhe von 0,44% eine regelmäßige Ausschüttung erwirtschaftet werden. Die Analyse zeigt: Das will das Management mit einem eher passiven Ansatz erreichen.

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Idee und Initiative zu einem „Fonds von Anlegern für Anleger“ kamen von der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland (EKM) und von terre des hommes Deutschland e.V. Insbesondere die EKM hat das Fondskonzept wesentlich gestaltet, die Mandatsvergabe an die Spezialisten entschieden und einen Teil des notwendigen Startkapitals investiert. Das Fondsmanagement ist bei Universal Investment angesiedelt, ein Anlageausschuss hat die Aufgabe, die Universal bei der Festlegung ihrer Anlagepolitik für den Smart & Fair-Fonds zu beraten. Der Anlageausschuss tagt jährlich und nach Bedarf. Mitglieder sind Markus Hesse, Referent Vermögensmanagement der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland und Frank Wettlauffer. Er hat das Fondskonzept mitgestaltet und koordiniert alle Beteiligten. Neben der Koordination übernimmt die Wettlauffer Wirtschaftsberatung das Marketing des Fonds.

Anlagestrategie: Chancen nutzen – Risiken reduzieren

Ziel des Smart & Fair-Fonds ist es, die Chancen der Aktien- und Anleihenmärkte zu nutzen und gleichzeitig möglichst breit zu diversifizieren, um Risiken zu reduzieren. Dazu investiert das Fondsmanagement strategisch 30% in Low-Risk Aktien, 40% in Investment Grade Anleihen und bis zu 30% in Hochzinsanleihen, jeweils möglichst in EUR denominiert. Fremdwährungsanleihen können erworben werden, wenn das Währungsrisiko abgesichert wird. Das Fondsmanagement strebt an, die Aktienquote von 30% unter Berücksichtigung von Transaktionskosten dauerhaft einzuhalten. Folgende Überlegungen führen zu dieser Vermögensstruktur: Die primäre Zielgruppe des Fonds (Kirchliche Anleger und Stiftungen) besitzt einen langen Anlagehorizont und häufig keinen Abschreibungsbedarf bei temporären Kursrückgängen unter 20%. Die Aktienquoten sind laut Statuten häufig auf rund 30% begrenzt. Stiftungen suchen hohe Ausschüttungen und jeder sucht höhere Rendite ohne größeres Risiko.

Janssen Stiftung

Besonderheiten der Anlagestrategie

Die extrem breite Diversifikation sowie die Anlage in relativ defensiven Aktien ermöglichen die Beimischung hochverzinslicher Anleihen, ohne dass erwartet wird, das Risiko eines klassischen konservativen Portfolios aus 70 % Investment Grade Anleihen und 30 % Aktien signifikant zu überschreiten. Aufgrund der hochverzinslichen Anleihen ist allerdings die Renditeerwartung höher. Auf alternative Vermögensklassen wie Immobilien, Solarfonds, Hedgefonds, Katastrophenanleihen etc. wird zum einen wegen mangelnder Liquidität verzichtet, zum anderen hätten insbesondere Hedgefonds ein zu schlechtes Rendite/Risiko Verhältnis. Derivate, mit Ausnahme der Absicherung von Wechselkursrisiken aus eventuellen Fremdwährungsanleihen, werden nicht eingesetzt, da sie häufig spekulativen Charakter haben.

Low-Risk Anomalie

Der Fonds hält sogenannte Low-Risk Aktien, also Aktien, die relativ wenig schwanken, und setzt damit auf eine Anomalie, der zufolge Aktien, deren Volatilität, maximale Drawdowns und deren Beta deutlich unterdurchschnittlich sind. Damit soll eine sogenannte „Faktorprämie“ vereinnahmt werden, die zu langfristiger Überrendite führen sollte. In der Vergangenheit boten Low-Risk Aktien marktübliche Renditen in steigenden Börsenphasen und geringere Kursverluste bei sinkenden Kursen – „ein attraktives Rendite-Risiko Profil gerade für konservative Anleger mit langem Anlagehorizont“ wie Wettlauffer betont. Aus diesem Grund hat man die üblichen Verdächtigen wie Apple, Alphabet oder Amazon nicht im Fonds, „einfach weil sie zu stark schwanken.“ Einzig Microsoft findet sich im Portfolio, da dieses Unternehmen sowohl im Nachhaltigkeitsranking als auch in der Volatilitätsbetrachtung dem best-in-class-Ansatz genügt.

Auf einen Blick

Fondsart: Klassischer Mischfonds mit Aktienbegrenzung auf 30%, sehr breit diversifiziert, insbesondere in den Anleihen.

ISIN: DE000A2H7NX5

Ausschüttung: Jeweils im Januar für das vorangegangene Geschäftsjahr. Angestrebt wird eine Ausschüttungsrendite von langfristig ca. 1,7% p.a.

Gut zu wissen: Der Fonds wird relativ passiv gemanagt, da man einen ganz langfristigen Ansatz umsetzt. So werden zum Beispiel Anleihen in der Regel bis zur Endfälligkeit gehalten. Geringe Umschichtungen tragen zur attraktiven Kostenstruktur bei, derzeit liegt die TER bei 0,44%. Es gibt keinen Aufgabeaufschlag, aber eine Dilution Fee in Höhe von 0,15% für neue Investoren. Diese Fee fließt dem Fondsvermögen zu.

Einschätzung: Betont defensiver Portfoliobaustein, insbesondere für solche Stiftungen geeignet, die den Kapitalerhalt an erste Stelle setzen und auch mit geringeren Ausschüttungen ihren Zweck erfüllen können, zum Beispiel durch Spenden oder Einnahmen aus anderen Quellen.

Ansprechpartner für Stiftungsverantwortliche: Frank Wettlauffer, info@wettlauffer.ch

Anleihen: Kostensparende „Leiterstrategie“

Da Zinsprognosen von den Fondsinitiatoren als ähnlich schwierig angesehen werden wie Aktienkursprognosen, erfolgt kein aktives Management des Zinsänderungsrisikos. Stattdessen investiert das Fondsmanagement die Anleihen gemäß der – Transaktionskosten minimierenden – „Leiterstrategie“: Um eine durchschnittliche Restlaufzeit von 5-6 Jahre zu erreichen, wird eine Gleichverteilung der Anleihen in den Laufzeitsegmenten 0-12 Jahre angestrebt. Fällige Anleihen investiert der Portfoliomanager am „langen Ende“ und hält sie dann grundsätzlich bis zur Fälligkeit. Sollte, wie aktuell gegeben, das Laufzeitrisiko langlaufender Anleihen keine signifikante Risikoprämie bieten, kann vom Erwerb und Halten langlaufender Anleihen mit negativer Verzinsung abgesehen werden.

Sehr breite Diversifikation

Das Prinzip größtmöglicher Diversifikation wird insbesondere bei den Anleihen verfolgt, da sich hier Ausfallrisiken häufiger als bei Aktien manifestieren. Unter Berücksichtigung von Transaktionskosten und Handelbarkeit kauft das Fondsmanagement möglichst viele Titel aus möglichst vielen unterschiedlichen Branchen und Ländern. Die Anleihen werden innerhalb der Risikoklasse grundsätzlich gleichgewichtet. Eine Anleihe eines Emittenten, der als Aktie im Fonds enthalten ist, vermeidet der Fonds, um ungewollte Klumpenrisiken auszuschließen. Zum Jahresende hielt der Fonds 340 Anleihen von 293 unterschiedlichen Emittenten. Um eine attraktive Rendite zu erzielen, wird von den 70% nachhaltigen Anleihen eine Quote von bis zu 30%-Punkten Hochzinsanleihen angestrebt. Das Mindestrating bei Erwerb beträgt B- (oder vergleichbar); das durchschnittliche Rating aller Anleihen muss Investment Grade sein. Aktuell liegt das Engagement in High Yields aber geringer, da der durchschnittliche Coupon in diesem Segment kleiner als die geringste historische Ausfallhäufigkeit von Hochzinsanleihen ist.

Lange Haltedauer

Im Gesamtjahr 2020 hat das Fondsmanagement die Mittelzuflüsse genutzt, um die Anleihen weiter zu diversifizieren und die Aktienquote bei 30 % zu halten. Während der Coronakrise wurden dazu zweimal Aktien nachgekauft. „Zum Glück reichten die liquiden Mittel zum Nachkauf aus; auch weil es zu keinen Rückflüssen von Anlegern kam“ bilanziert Wettlauffer. Aufgrund der starken Schwankungen an den Börsen hatte man die halbjährliche Überprüfung und den Austausch der Low-Risk Aktien von April auf Mai verschoben. Der neue Rhythmus ist nun Mai und November. Insgesamt, und ohne Berücksichtigung der Zuflüsse, wurden Umschichtungen von rund 13 Mio. EUR durchgeführt. Dies entspricht einer Portfolio Turnover Rate (PTR) von sehr geringen 24%. Übersetzt bedeutet diese Quote, dass ein Wertpapier durchschnittlich nur alle 4 Jahre ausgetauscht wird. „Es freut mich, dass mit diesen geringen Transaktionen nicht nur das Spekulationsverbot von Stiftungen beachtet wird, sondern auch nur geringe direkte und indirekte Transaktionskosten anfallen“, so Wettlauffer.

Ausschüttung im Januar

Die Erwartung für die mittlere Rendite des Smart & Fair-Fonds über die nächsten 10 Jahre liegt bei 2,5% p.a. vor Kosten, also etwa 2,06% nach Kosten, denn die liegen derzeit bei 0,44%. Sollte es dem Fonds gelingen, weitere Mittelzuflüsse zu generieren, könnte dieser ohnehin schon günstige Satz noch sinken. Die erwartete Ausschüttungsrendite: beträgt 1,7% p.a. Am 15. Januar 2021 wurde eine Ausschüttung von 1,80 EUR ausbezahlt. Je nach Kaufkurs ergibt sich daraus eine jährliche Ausschüttungsrendite von circa 1,7%. Für das erste Geschäftsjahr betrug die Ausschüttung 1,35 EUR; für 2019 wurden 2 EUR ausgeschüttet.

Zusammengefasst

Wer geringere Kosten verursacht muss weniger Risiko eingehen, um eine positive Rendite zu erzielten – so lautet das Motto des Fonds. Stiftungen, die in diesen unsicheren Zeiten so sicher wie eben möglich investieren und trotzdem eine Ausschüttung vereinnahmen wollen sind hier genau richtig.

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