FondsFibel 2021
Stiftungsfonds-Kosmos - Rückspiegel

Neu im Stiftungsfonds-Kosmos

Blick in den Rückspiegel

Wie sich „die Neuen“ in 2020 bzw. im Angesicht des Corona-Crashs geschlagen haben

Text: Stefan Preuß, Lesezeit: 7min28

In den vorangegangenen Ausgaben und Updates hatten wir eine Reihe neuer Fondskonzepte vorgestellt, die sich direkt an Stiftungen gewandt haben oder vom Konzept her grundsätzlich geeignet waren. Wie haben sich diese Fonds entwickelt? Was lässt sich daraus für Anlagekonzepte für Stiftungen lernen? Diese und weitere Fragen beantworten wir in der folgenden Analyse.

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PATRIZIA Europe Residential Plus:

Lage, Diversifikation, Nachfrageüberhang

Der Fonds strebt an, durch den Erwerb und die Realisierung von Potenzialen von Immobilien im Rahmen eines aktiven Asset- und Property-Managements, über die Fondslaufzeit eine durchschnittliche Gesamtrendite von mehr als 5% p. a. zu erzielen- Hiervon sollen laufend 3,75% – 4,25% p. a. an die Investoren ausgezahlt werden (Ausschüttungsrendite). Durch den Verkauf des Portfolios und eine Schlussausschüttung soll dann die Gesamtrendite erwirtschaftet werden.

Vierte Immobilie akquiriert

Der Fonds bezeichnet seine Anlagepolitik als defensiv, da sie klar definierten Grenzen unterliegt. So wurde angekündigt, beispielsweise mindestens in drei europäische Länder zu investieren und in keinem Land zu mehr als 49% allokiert sein. Diese Vorgabe ist umgesetzt. Nach Objekten in Hamburg, Brüssel und Luxemburg wurde im November 2020 eine Wohnanlage in Amsterdam akquiriert. Nun kommt eine neu gebaute Wohnanlage im Norden Amsterdams hinzu. Sie umfasst 114 hochwertige Wohneinheiten und liegt im beliebten Stadtteil „Buiksloterham“. Was sie besonders auszeichnet, sind die Lage direkt am Wasser und der unverbaubare Blick auf die Metropole. Mit den kostenlosen regelmäßig verkehrenden Fähren, die am Objekt abfahren, haben die zukünftigen Mieter einen direkten Anschluss an den Hauptbahnhof und das Stadtzentrum. Die Übergabe des Objekts an den Fonds ist zeitnah geplant. Danach besteht das Portfolio des Fonds aus nahezu 500 Wohnungen.

Die drei ersten Objekte waren zu Miet-Multiplen zwischen 23,5 und 25 gekauft worden, über den Preis der Anlage in Amsterdam ist bislang nichts verlautbart, dies wird erst nach der Übergabe im 1. Quartal geschehen. Damit unterstreicht Patrizia die Fähigkeit, attraktive Objekte zu akquirieren – ein wichtiger Faktor. Denn der strukturelle Wohnungsmangel schreitet durch die Urbanisierung weiter voran, und somit ist die Akquise von Objekten schwieriger als die Akquise von Mietern.

Steuerfreie Auszahlung

Interessant für Stiftungen: Die Erträge des Investments werden vom Fonds ohne Einbehalt an die Investoren ausgezahlt, was die Steuerfreiheit des nach luxemburgischem Recht aufgelegten Fonds gewährleistet. Dies liegt darin begründet, dass der PATRIZIA Europe Residential Plus keine inländische Zahlstelle hat bzw. keine solche ist. Somit erhalten die Aktionäre des Fonds die Ausschüttungen ohne Abzug von Steuern und müssen die individuelle Versteuerung der Erträge auf Ihrer Ebene vornehmen.

Eingeschränkte Handelbarkeit

Die Kosten sehen eine Managementvergütung bis zu 0,8% des Nettoinventarwertes (NAV) vor. Hinzu kommen wie bei Immobilienfonds üblich Transaktionsgebühren. Die betragen beim Fonds bis zu 2,25% sowohl bei Share als auch bei Asset Deals. Davon entfallen 1% auf die Akquisitionsgebühr, 1% auf die Kapitalvermittlungsgebühr und 0,25% auf die Servicegebühr. Ein Ausgabeaufschlag wird nicht erhoben. Wenig Anklang bei Stiftungen wird die Performance Fee von 20% auf alle Auszahlungen oberhalb 5% p.a. stoßen, angesichts des vergleichsweise hohen Ausschüttungsziels handelt es sich hier aber um ein Luxusproblem. Zu beachten: Da es sich um einen geschlossenen AIF handelt wird das Sondervermögen an keiner Börse gehandelt, es besteht keine Pflicht zur Rücknahme von Anteilen. Bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen ist eine vorzeitige Rückgabe möglich, aber nicht garantiert.

Fazit: Die Laufzeit des Fonds ist bis 2031 geplant, mit vier Objekten, die bereits vermietet sind beziehungsweise zeitnah fertiggestellt oder übernommen werden, liegt man gut in der Zeit. Weiterhin also eine relativ klare Empfehlung.

Deutsches Rotes Kreuz

„Werte & Sicherheit – Stiftungsvermögen“:

Was zählt ist auf`m Platz

„Krisenresiliente, stabile und dividendenstarke Unternehmen stellen in Niedrigzinsphasen eine geeignete Anlagealternative dar“. Welche Unternehmen das zu welchem Zeitpunkt ganz konkret sind, dazu verknüpfen Heribert Danner und Prof. Dr. Daniel Schallmo wissenschaftliche Erkenntnisse mit langjähriger Finanzmarkterfahrung und setzen die Ergebnisse im Mischfonds „Werte & Sicherheit – Stiftungsvermögen“ (WKN: A2P E1B) um. Als Zwischenfazit des 2019 aufgelegten Fonds muss man allerdings einwenden: Wissenschaftliche Erkenntnisse o.k., die Wahrheit liegt aber auf´m Platz (also an der Börse), und da steht für 2020 ein Minus von knapp 3%.

Teilnahme an Erholung verpasst

Der Fonds hat sich im Corona-Absturz im März mit 14,3% gemessen an den Indices zwar tatsächlich relativ resilient gezeigt, konnte aber an der Erholungsrallye nicht teilnehmen und dümpelte bis Ende Oktober bei -9,95% herum. Ein starker November und Dezember reichte aber nicht, in positives Terrain zu gelangen. Zum Jahresanfang war der Fonds bis auf eine kleine Kasse von 3,3% voll investiert, wobei Aktien 58,6% ausmachten und der Rest in Anleihen und gering in Zertifikaten (Xetra-Gold) investiert war.

Substanz im Zielfokus

Im Rahmen des Investmentprozesses werden weiterhin substanzstarke Firmen mit einem nachhaltigen Geschäftsmodell, das Umsatz- und Ergebnisresilienz in konjunkturellen Schwächephasen gewährleisten soll, identifiziert. Verschiedene Faktoren (Größe, Alter, Dividendenrendite und -kontinuität, ESG-Score etc.) dienen als Leistungsnachweise. Aus den 250 besten Unternehmen dieses Filterprozesses, der quartalsweise durchgeführt wird, wird eine erneute Selektion getroffen: Bilanzrelationen, Umsatz- und Ertragsstärke, Ressourcenverbrauch und weitere Parameter werden ebenfalls quartalsweise überprüft. Am Ende stehen 20 bis 30 Unternehmen, die als besonders stabil eingeschätzt ins Portfolio aufgenommen werden.

In der Theorie werden diese Picks laufend digital überwacht, um günstige Zeitpunkte zum Kauf und Verkauf der Aktien zu ermitteln, die Rendite zu steigern und das Risiko zu vermindern. Die anschließende Wertsicherung soll vor Kursverlusten, indem die Aktien nach verschiedenen Kriterien überwacht und bei Notwendigkeit verkauft werden. Um bei extremen Kurssteigerungen innerhalb kurzer Zeitspannen die Gewinne zu sichern, wird eine Veräußerung der Aktie vorgenommen, um der Rückkehr des Aktienkurses zum Mittelwert zuvorzukommen. Auf der Anleiheseite werden 30jährige Bundesanleihen als Gegengewicht zum Aktienblock genutzt, hinzu kommen auch Nachranganleihen sowie Kupons aus Spezialbereichen. Um das Zinsänderungsrisiko zu beobachten wird auch der Bund-Future mittels eines mathematischen Ampelsystems überwacht.

Fazit: Es ist zu früh, das Fondskonzept komplett abzuschreiben, feststellen kann man aber, dass die beschriebenen Sicherungen und Strategien im Crash nicht eben überzeugend funktionierten. Der Fonds strebt eine jährliche Ausschüttung von mindestens 2% an, dazu müsste er zeitnah in positives Terrain drehen. Einstweilen besteht kein Handlungsbedarf, typischer Fall für die Watchlist.

Torendo Aktien System:

Regalbasiertes Angebot

Die Torendo Capital Solutions GmbH ist ein Gemeinschaftsunternehmen der drei Finanzdienstleistungsunternehmen. Beim Deutsche Aktien System (LU1687254851) handelt es sich um einen flexiblen, aktienorientierten Fonds, der sich auf Aktien aus den vier wichtigsten deutschen Aktienindizes DAX, MDAX, SDAX und TecDAX fokussiert. Sowohl die Auswahl der Aktien als auch die Steuerung der Aktienquote erfolgen rein regelbasiert auf Basis eines in der Praxis bereits langjährig eingesetzten Handelssystems.

Too late – too little

Der im Februar 2018 aufgelegte Fonds war erfolgreich gestartet und hat im Oktober 2019 eine Ausschüttung in Höhe von 2,10 EUR geleistet. Im Corona-Crash hat es den Fonds mit einem Minus von 15% nicht härter als andere erwischt – allerdings wurde die Investitionsquote fast auf Null heruntergefahren. Damit ging die schnelle Erholung – wie beim Werte&Sicherheit – ziemlich komplett am Fonds vorbei. Das gesamte Jahr 2020 über blieb man bei weniger als 60% Investitionsquote, womit auch der sehr gute November nur ein kleines Plus von weniger als 4% erbrachte, während der DAX mehr als 15% zulegte.

Die Handelsstrategie des Fonds wird bereits seit 2012 im Rahmen eines Wikifolios umgesetzt. Das hat bis zum Corona-Einbruch eben erfolgreich funktioniert, dann aber über Monate nicht mehr. Das ist ein klarer Hinweis darauf, dass Modellberechnungen wesensbedingt immer dem Geschehen an der Börse nacheilen – man benötigt ja die aktuellen Daten, um einen Forecast zu erstellen. In normalen Börsenzeiten mit normaler, selbst erhöhter Volatilität, kann ein gutes System bei richtiger Interpretation Mehrwert generieren. Was wir ab März gesehen haben ist allerdings alles andere als normal.

Fazit

Der rein regelbasierte Aktienfonds soll eigentlich zur Minimierung der Volatilität führen. 2020 mit Einbruch und Erholung in V-Form zeigte aber die Grenzen des Systems auf. Angesichts der mittlerweile ambitionierten Kursniveaus ist auch nicht unbedingt davon auszugehen, dass große Nachholpotenziale im Fonds schlummern. Auch hier besteht kein aktueller Handlungsbedarf.

Janssen Stiftung

Zusammengefasst

Wenn Stiftungen sich mit neuen Fondskonzepten auseinandersetzen, dann schwingt schnell eine gewisse Begeisterung mit. So erging es uns auch. Die Fondskonzepte, die wir ausgesucht und auf ihre Stiftungseignung hin untersucht haben, hatten alle etwas für sich, jedes Konzept konnte auf seine Weise überzeugen und gute Argumente für eine Stiftungseignung liefern. Aber wie das so ist, plötzlich hält ein Virus die Welt in Atem hält, und alles ändert sich. Der große Lackmustest in Form des Corona-Crashs im März 2020 hat jedes Konzept aufs Äußerste gefordert, gleichzeitig ist solch eine Zäsur ein Moment großer Ehrlichkeit, den sich Stiftungen in der Analyse der Fonds zu Nutze machen konnten. Denn hinter Floskeln konnte sich angesichts dessen kein Fonds mehr verstecken.

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