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Hanseatischer Stiftungsfonds
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Neu im Stiftungsfonds-Kosmos

Hanseatischer Stiftungsfonds

Aufbruch zu ertragreichen Ufern

Text: Stefan Preuss, Lesezeit: 7min14

Hanseatischer Stiftungsfonds

Der Hanseatische Stiftungsfonds wurde im Oktober 2019 von der M+P Vorsorge- und Vermögensmanagement GmbH & Co. KG aufgelegt und hat das erste volle Geschäftsjahr gleich mit einem Plus von 9,28 % abgeschlossen. Fondsmanager Sven Putfarken betont aber, dass das defensive Konzept des Fonds weiter darauf ausgelegt ist, 2+2 zu erreichen: Also 2% Ausschüttung plus 2% Wertzuwachs – „und dabei soll es bleiben“. Wir erklären, wie der Fonds das erreichen will.

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Der Hanseatische Stiftungsfonds, so die Marketing-Positionierung, übersetzt hanseatische Werte in moderne, aktuelle Investmentansätze: „Die der Hanse eigene dynamische Geschäftstätigkeit, wie Freihandel und lange, gefährliche Reisen, wurde stets ausbalanciert mit präventiven Maßnahmen wie einheitlichen Mess-Systemen, Schutzbündnissen und Deichbau. Weltoffener Wagemut und gemeinschaftliche Vernunft gingen eine fruchtbare Verbindung ein“ heißt es in den Unterlagen. Lange, gefährliche Reisen muss heutzutage niemand mehr unternehmen, um Anteile an Unternehmen oder Waren aus fernen Ländern zu kaufen. Besser noch: Heutzutage kann man sich Expertise einkaufen – und das nutzt der Fonds mit einem Dachfondsansatz.

Externe Expertise für Equities

„Der Fonds investiert weltweit, einschließlich der Schwellenländer, in Aktien, Renten, Anteile von Investmentfonds und Zertifikate“ erläutert Putfarken. Dabei existieren keine geographischen oder Branchenschwerpunkte. Der reine Aktienanteil ist auf 30% begrenzt. Ende des Jahres war er bei etwa 24%, also deutlich unter dem Maximum. Das Aktien-Know-how kauft sich der Fonds über entsprechende Fonds ein, wobei Mischfonds im Fokus stehen. Aktuell bilden bekannte Mischfonds, zum Beispiel der Jupiter Dynamic Bond, ein low-volatility-Fonds von Alliance Bernstein und der DJE Zins&Dividende, drei der größten Positionen in diesem Bereich. „Das werden wir auch so beibehalten und bis zu einem gewissen Anteil immer ein Dachfondskonzept umsetzen“ sagt der Fondsmanager. „Als noch relativ junger und somit auch kleiner Fonds macht es einfach Sinn, gewisse Segmente über Fonds abzubilden, um eine möglichst breite Diversifikation für das Gesamtportfolio zu erreichen“ erklärt Putfarken.

Deutsches Rotes Kreuz

Renten: Fonds und ausgewählte Anleihen

Auf der Rentenseite wird das ähnlich gehandhabt. Auch hier finden sich erfolgreiche Fonds bekannter Anbieter im Portfolio, zum Beispiel der Nordea Covered Bonds, der ein schönes Stück nordische Gelassenheit ganz passend zum hanseatischen Ansatz ins Portfolio bringt. Da das Fondsmanagement über eigene Expertise im Rentenbereich verfügt finden sich aber auch ausgewählte Anleihen im Portfolio. Putfarken nennt Papiere von Thyssen, der Rabobank, Apple und verschiedenen Telekommunikationsunternehmen als Beispiele.

Breite Range an weiteren möglichen Vehikeln

Der Fonds kann kurzfristig auch bis zu 100 % flüssige Mittel halten oder in ähnliche Vermögenswerte investieren. Darüber hinaus darf der Fonds in sonstige zulässige Vermögensgegenstände investieren. An welche Vermögensgegenstände wird dabei gedacht? „Sonstige Vermögensgegenstände im Fonds sind bis zu 10% des Fondsvolumens zugelassen, das können z. B. Wertpapiere sein, die nicht zum Handel an einer Börse zugelassen sind, Aktien aus Neuemissionen nach bestimmten Ausgabebedingungen oder Schuldscheindarlehen nach bestimmten Voraussetzungen sein“ erläutert Fondsmanager Sven Putfarken auf Nachfrage. Prinzipiell ist der Einsatz von Derivaten im Hanseatischen Stiftungsfonds möglich. „Grundsätzlich werden auf Stiftungsseite Derivate sehr kritisch gesehen“ weiß Putfarken. Man werde Derivate nur zur sinnvollen Absicherung des Portfolios einsetzen, etwa bei Fremdwährungen. „Wir hedgen nicht den Hedge vom Hedge und werden das auch nie tun.“ Währungsrisiken werden natürlich beobachtet. Zum Jahresende waren gut zwei Drittel der Positionen in USD abgesichert.

Größte Fondsposition: Fonds für Nachrangdarlehen

Ein besonders glückliches Händchen hatte Putfarken bei der Auswahl eines Spezialfonds von Aramea, der in Nachrang- und Hybrid-Anleihen von Unternehmen vor allem aus dem Finanz- und Versicherungsbereich investiert. Der Ansatz profitiert von sich verändernden regulatorischen Anforderungen im Bankensektor, Solvency II im Versicherungssegment und den Ratingagenturen bei Industrieunternehmen. Aufgrund einer sich verändernden Anrechenbarkeit der Nachranganleihen auf das Eigenkapital durch die Regulierung, profitiert der Fonds von marktunabhängigen Renditen bei Rückkäufen der Anleihen durch den Emittenten. Fremdwährungsrisiken werden nahezu vollständig abgesichert – wichtig, damit sich nicht verdeckt Risiken potenzieren können. Der Aramea-Fonds ist nach einem Rücksetzer im März deutlich zweistellig hochgelaufen und macht aktuell dadurch mehr als 15% des Fondsvermögens des Stiftungsfonds aus. Bald könnte allerdings die Zeit für eine Gewinnmitnahme kommen: „Financials dürften abgestraft werden, sobald sich die Diskussion über Insolvenzen und damit Abschreibungsbedarf intensivieren“ verdeutlicht Putfarken.

Auf einen Blick

Fondsart: Klassischer Mischfonds mit auf 30% beschränktem Aktienanteil, ansonsten aber sehr flexibel gefassten Regularien. Zu weiten Teilen wird ein Dachfondskonzept umgesetzt, dass je nach Occasion durch Einzelinvestments ergänzt werden kann.

ISIN: DE000A2PF037

Ausschüttung: Der Fonds strebt an, langfristig 2% Ausschüttungsrendite zuzüglich 2% Wertzuwachs p.a. zu erzielen. Nach dem sehr erfolgreichen Jahr 2020 sind bereits ausschüttungsfähige Reserven aufgebaut.

Gut zu wissen: Das flexible Fondskonzept erlaubt es dem Management, durchgreifend auf Marktgegebenheiten zu regieren. Das hat im turbulenten Jahr 2020 sehr gut funktioniert, im März, als viele Fonds deutlich zweistellig verloren, hat der Hanseatische Stiftungsfonds ein Plus von 1,8% verzeichnet. Das kann bei Fehleinschätzungen –theoretisch- auch andersherum laufen, dieses Risiko muss Investoren bewusst sein.

Einschätzung: Interessantes Konzept, das ein Portfolio bereichern kann. Im Prinzip kaufen sich Stiftungen zu günstigen Konditionen externes Wissen ein, um ein aussichtsreiches Portfolio zusammengestellt zu bekommen. Die 2+2-Formel ist im Niedrigzinsumfeld attraktiv.

Ansprechpartner für Stiftungsverantwortliche: Sven Putfarken, sven.putfarken@m-p-v.de

ESG-Themen auf dem Schirm

Das ESG-Thema wird bei der Auswahl beachtet, der Hanseatische Stiftungsfonds verfolgt aber nicht den Anspruch, ein Nachhaltigkeitsfonds zu sein. Derzeit arbeite man weder mit einer ESG-Ratingagentur zusammen, noch gebe es pauschale Ausschlüsse. „Dennoch ist Impact Investing natürlich im Fokus unseres Research, so achten wir besonders auf die Themen CO2-Bilanz, Kinderarbeit und Transparenz“, berichtet Putfarken. ESG-Anforderungen seien in der Form in den Investmentprozess integriert, „als dass wir uns dem Research von Refinitiv bedienen. Dort sind bereits 76 Länder, mehr als 9.000 Firmen und somit knapp 80 Prozent des globalen Market Caps hinterlegt. Somit ist gewährleistet, dass wir vor unseren Investmententscheidungen einen breiten Überblick und bei/nach unseren Investmententscheidungen einen tiefen Einblick in die ESG Kriterien der jeweiligen Unternehmen erhalten. Bei der Investition in Fonds hinterfragen wir grundsätzlich auch deren ESG-Ansatz, Vorgehensweisen und Philosophien. Wie auch bei Einzelinvestments haben wir auch hier schon auf den ersten Blick interessante Investmentideen nach dem tieferen Screening abgelehnt.“

Grundsätzlich strategisch

In der Portfoliokonstruktion setzt Putfarken ganz auf die strategische Allokation: „Wir planen strategisch, weil die Anlagestrategie zu mehr als 90 Prozent für den Anlageerfolg verantwortlich ist. Ziel ist ein Mehrwert durch aktives und passives Management, weshalb dem Hanseatischen Stiftungsfonds eine Portfoliokonstruktion zugrunde liegt, welche durch die Kriterien Wachstum, Stabilität, Flexibilität und Langzeiterfolg bestimmt wird.“

Janssen Stiftung

Zusammengefasst

Für einen Stiftungsfonds geben die Richtlinien dem Management weitgehende Freiheiten. Insbesondere die Möglichkeit, bei Erwartung eines Crashes auch mal ein paar Tage zu 100 Prozent an der Seitenlinie stehen zu können, wird vielen Anlegern gefallen. Dachfondskonzepte haben immer den Nachteil, leicht erhöhte Kosten zu verursachen. Mit einer TER von 0,96% liegt der Fonds bereits ganz passabel. Durch die steten Mittelzuflüsse wird dieser Wert weiter sinken.

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